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Retrospektive Abdeckungsprüfung

656 Lawinenereignisse nachgerechnet: Wie oft passte das Gelände am Ereignisort zum Lagebericht?

Der amtliche Lawinenlagebericht nennt jeden Tag Expositionen, Höhenbänder und Lawinenprobleme. Für 656 dokumentierte Lawinenereignisse in Tirol lässt sich nachrechnen, ob das Gelände am Ereignisort zu diesen Angaben passte — und, genauso wichtig, wie oft das auch für zufällig gewählte Punkte im Tiroler Höhenband zwischen 1.500 und 3.200 Metern gilt.

Die Frage

Wer eine Skitour plant, liest im Lagebericht Sätze wie „Gefahrenstellen finden sich vor allem an sehr steilen Nord- bis Osthängen oberhalb von 2.200 Metern". Im Gelände steht man dann in einem konkreten Hang, mit einer konkreten Exposition, Höhe und Neigung. Die Frage, die sich dort stellt, ist eine Abgleichsfrage: Passt das hier zu dem, was heute im Bericht steht?

Diese Auswertung dreht die Frage um und schaut zurück. An Orten, an denen tatsächlich eine Lawine abgegangen ist: Passte das Gelände dort zu einer Gefahrenstelle des an diesem Tag gültigen Lageberichts?

Die Auswertung ist im Rahmen der Entwicklung von HangKontext entstanden, einer App, die genau diesen Abgleich am Standort vornimmt. Sie ist aber unabhängig von der App lesbar: Geprüft wird die Abdeckung durch den amtlichen Lagebericht, nicht ein Produkt.

Die Methode in fünf Sätzen

  1. Ereignisse: alle 711 in LAWIS dokumentierten Tiroler Lawinenereignisse mit Koordinate seit dem 1. November 2021 — keine Vorauswahl.
  2. Gelände: An der gemeldeten Koordinate werden Neigung, Exposition und Höhe aus dem amtlichen Geländemodell bestimmt (Land Tirol, 10 m).
  3. Lagebericht: Dazu wird der archivierte Tagesbericht des Ereignistages geladen und dieselbe Warnregion bestimmt, in der die Koordinate liegt.
  4. Übereinstimmungsregel: Neigung, Exposition und Höhe müssen gemeinsam zu ein und derselben Gefahrenstelle passen — nicht jedes Merkmal zu einer anderen.
  5. Kontrollgruppe: Zu jedem Ereignis werden fünf zufällige Punkte im Höhenband 1.500–3.200 m am selben Tag mit exakt derselben Logik geprüft — einmal Tirol-weit gezogen und einmal, als vertraglich primäre Kontrolle, zusätzlich auf die Warnregion des Ereignisses beschränkt.

Von den 711 Ereignissen waren 656 auswertbar. Bei 52 war für den Ereignistag gar kein Lagebericht veröffentlicht — das betrifft September bis November und den Mai, also Zeiten ohne laufenden Berichtsbetrieb. Drei lagen knapp außerhalb der Warnregionsgrenzen. Diese 55 Fälle zählen nicht als „keine Übereinstimmung", sondern werden getrennt ausgewiesen.

Weil eine LAWIS-Koordinate mal die Anrisskante, mal die Ablagerung und mal eine grob gesetzte Position markiert, gilt eine Übereinstimmung auch dann, wenn sie innerhalb von 200 Metern um die gemeldete Koordinate liegt. Die maßgebliche Warnregion und deren Gefahrenstellen bleiben dabei die des ursprünglichen Punkts — der Umkreis verändert nur die geprüfte Geländezelle.

Die geprüfte Regel, vollständig

Nachrechnen kann man nur, was man kennt. Die Prüfregel hat genau vier Toleranzen — hier stehen sie mit dem Grund, aus dem sie so gewählt sind. Dieselben Werte gelten in der App und in dieser Auswertung; es gibt keine zweite Implementierung.

Die vier Toleranzen der Übereinstimmungsregel
MerkmalToleranzBegründung
Hangneigung am Punkt (10-m-Zelle) ab 28° Der Fachdefault für lawinenrelevantes Steilgelände liegt bei 30°. Die 2° darunter sind ein Messpuffer, kein fachliches Urteil: Ein 10-Meter-Raster glättet kurze Steilstufen und unterschätzt die Neigung systematisch.6
Exposition ±1 Sektor (±45°) Der Bericht nennt Expositionen in Achtelsektoren — eine grobe Einteilung, an deren Grenzen ein Hang nicht plötzlich anders wird. Die Regel rundet deshalb auf den benachbarten Sektor auf, statt hart zu schneiden. Ein eigener Beleg für genau ±45° existiert nicht; es ist eine bewusst großzügige Setzung.
Höhe ±100 Meter Das EAWS-Glossar beziffert die Genauigkeit von Höhenangaben im Lagebericht wörtlich mit „accuracy ± 100 m".7 Die Toleranz übernimmt exakt diesen Wert.
„Waldgrenze" 1.700 m (unten)
2.200 m (oben)
Symbolische Höhenangaben brauchen eine Zahl. Die amtliche Interpretationshilfe beziffert die Waldgrenze mit „liegt bei 1600/1800 m Höhe".8 Als Untergrenze („oberhalb der Waldgrenze") ist der Wert zusätzlich an diesen Daten kalibriert — siehe die Offenlegung weiter unten. Als Obergrenze („unterhalb der Waldgrenze") wirkt derselbe Wert in die Gegenrichtung; dazu der Nachtrag weiter unten.

Fehlt im Bericht eine Angabe, wird sie konservativ aufgelöst: keine Expositionsliste heißt „alle Expositionen", keine Bandgrenze heißt „offen". Im gecachten Bestand greift der Expositions-Default in 0 von 1.904 Problemen; 104 der 1.904 nennen kein Höhenband — ob das eine bewusste Aussage („alle Höhen") oder eine fehlende Angabe ist, lässt sich dem Archiv nicht ansehen.

Alle vier Toleranzen wirken in dieselbe Richtung: Sie können eine Gefahrenstelle nur vergrößern, nie verkleinern. Das erhöht die Trefferquote und ist der Grund, warum die Quote allein nichts wert ist — die Zahl der Vergleichspunkte gehört immer daneben. Ablationen, also der Effekt jeder einzelnen Toleranz für sich, stehen noch aus und werden nachgetragen.

Diese Toleranzen sind bewusst so gewählt, dass sie an die Grenzen der Quelle heranreichen, nicht darüber hinaus. Der Lagebericht gilt laut EAWS ausdrücklich „for a region with an area of >100 km² and not to a specific individual slope"7, und die amtliche Interpretationshilfe hält fest: „Einzelhänge können dabei nicht beurteilt werden."8 Dieselbe Interpretationshilfe beschreibt aber auch, was der Bericht kann: Er „gibt Hinweise auf besonders gefährdete Hangbereiche (Höhe, Exposition und Neigung)".8 Genau diese drei Merkmale gleicht die Auswertung ab — sie automatisiert eine vorgesehene Leseweise, sie erfindet keine neue.

Das Ergebnis

Ereignisabdeckung · 200-m-Toleranz
96,5 %

Bei 633 der 656 auswertbaren Ereignisse passte das Gelände zu einer Gefahrenstelle des am selben Tag gültigen Lageberichts. Direkt an der gemeldeten Koordinate, ohne Umkreis, waren es 74,5 %.

Gematchte Vergleichspunkte · gleiche Warnregion
89,9 %

Von 3.280 zufälligen Punkten, die das Datum und die Warnregion teilen, für die der Bericht des Ereignistags galt (bei gröber aufgelösten Archiv-Berichten die übergeordnete Region), passten 2.948 mit derselben Logik ebenfalls zu einer Gefahrenstelle; am Punkt sind es 48,8 %. Das ist die vertraglich primäre Kontrolle; der Abstand beträgt 6,6 Prozentpunkte im Umkreis (95-%-Intervall 5,1 bis 8,2). Die Tirol-weit gezogene Sekundärkontrolle liegt bei 88,5 % (Abstand 8,0 Prozentpunkte, Intervall 6,2 bis 9,8; im Steilgelände ab 28° bei 89,4 %). Beim Tirol-weiten Vergleich teilen die Vergleichspunkte mit dem Ereignis nur den Tag, nicht die Warnregion — sein Intervall ist das schwächere von beiden.

Die zweite Zahl ist die wichtigere. Eine hohe Übereinstimmungsquote an Ereignisorten allein sagt wenig — sie wäre auch dann hoch, wenn der Lagebericht schlicht fast alles Gelände nennen würde. Der Abstand zwischen 96,5 % und 89,9 % zeigt zunächst nur: Ereignisorte passen häufiger als zufällige Flächenpunkte derselben Warnregion. Er ist kein belastbares Maß für den Nutzen auf realen Skitouren, weil die Vergleichspunkte keine tatsächlich begangenen GPS-Trackpunkte sind. Wie eine belastbare Kontrolle aussieht, zeigt die SLABS-Auswertung: Sie stellt Unfallorte gegen mehr als 57.800 Kilometer aufgezeichneter Skitouren.1

Und dieser Abstand ist kleiner, als die erste Zahl vermuten lässt. An den untersuchten Ereignistagen deckt der Lagebericht einen großen Teil der zufällig geprüften Expositionen und Höhenlagen ab. Daraus folgt noch nicht, wie häufig Tourengeher auf realen Touren in passendem Gelände stehen. Die hohe Flächenabdeckung ist keine Schwäche des Berichts — sie beschreibt zunächst seine Funktionsweise.

Wie der deskriptive Abstand nach Gefahrenstufe variiert

Interessant wird es, wenn man beide Quoten nach der Gefahrenstufe des jeweiligen Tages trennt. Dann zeigt sich, dass der Informationsgehalt des Abgleichs stark von der Lage abhängt:

Ereignisorte Gematchte Vergleichspunkte
Gefahrenstufe 1 — gering · 28 Ereignisse, 140 Vergleichspunkte
Ereignisorte
50,0 %
Vergleichspunkte
44,3 %
Gefahrenstufe 2 — mäßig · 233 Ereignisse, 1.165 Vergleichspunkte
Ereignisorte
98,3 %
Vergleichspunkte
84,1 %
Gefahrenstufe 3 — erheblich · 292 Ereignisse, 1.460 Vergleichspunkte
Ereignisorte
98,3 %
Vergleichspunkte
95,5 %
Gefahrenstufe 4 — groß · 103 Ereignisse, 515 Vergleichspunkte
Ereignisorte
100 %
Vergleichspunkte
99,4 %
Anteil der Punkte, an denen Exposition, Höhe und Hangneigung zu einer Gefahrenstelle des am selben Tag gültigen Lageberichts passten, gemessen im 200-m-Umkreis, getrennt nach der Gefahrenstufe des jeweiligen Tages. Vergleichspunkte: nach Datum und Warnregion gematchte Ziehung. Direkt am Punkt, ohne Umkreis, lauten die Quoten 50,0 / 74,2 / 77,4 / 73,8 % (Ereignisorte) gegen 21,4 / 46,0 / 50,4 / 58,1 % (Vergleichspunkte). Skala jeweils 0–100 %. Bei Gefahrenstufe 1 ist die Zahl der Ereignisse klein (28) — die 50,0 % sind entsprechend unsicher.

Im Umkreis ist der Abstand bei Gefahrenstufe 2 nominell am größten (+14,2 Prozentpunkte, Intervall 10,7 bis 17,8) — ein Intervall für den Unterschied zwischen den Stufen ist nicht gerechnet, und das Stufe-1-Intervall überlappt. Bei Stufe 4 verschwindet der Abstand im Umkreis praktisch vollständig. Das ist plausibel: Bei großer Lawinengefahr ist praktisch das gesamte Steilgelände Gefahrenstelle — und mit den ausschließlich erweiternden Toleranzen dieser Prüfung plus dem 200-m-Umkreis bleibt davon nichts mehr zu unterscheiden. Direkt am Punkt bleibt allerdings auch an solchen Tagen ein Abstand: 73,8 % an Ereignisorten gegen 58,1 % an Vergleichspunkten.

Stufe 1 trägt diese Aussage nicht. Der Balken zeigt dort im Umkreis 50,0 gegen 44,3 %, also +5,7 Prozentpunkte — das Intervall reicht aber von −5,9 bis 16,3 und schließt damit die Null ein. Die Intervallgrenzen auf dieser Stufe sind zudem simulationsbedingt nur auf rund ±0,4 Prozentpunkte genau (größte Abweichung zwischen den beiden unabhängigen Zufallsströmen der Gegenprobe) — und das erst nach Erhöhung auf 40.000 Replikate: mit 10.000 lag derselbe Vergleich bei 0,53 Prozentpunkten und damit über der vorab festgelegten Toleranz von 0,5. Bei 28 Ereignissen in 27 Ziehungseinheiten (Ereignistag × Warnregion) ist der Umkreis-Abstand auf dieser Stufe nicht von null zu unterscheiden. Bis zum 4. August stand hier, der Abstand sei „bei den Gefahrenstufen 1 und 2 am größten"; für Stufe 1 war das durch die Daten nicht gedeckt. Am Punkt bleibt auch dort ein Abstand (50,0 gegen 21,4 %), aber ebenfalls mit einem sehr breiten Intervall (11,9 bis 44,3) — die Stufe ist zu dünn besetzt, um mehr als eine Größenordnung herzugeben.

In dieser künstlichen Flächenreferenz ist der Abstand im Umkreis an Tagen mit mäßiger Gefahrenstufe nominell am größten — für Stufe 1 gibt die Stichprobe das nicht her, und direkt am Punkt unterscheiden sich die Stufen 1 bis 3 nicht erkennbar (28,6 / 28,2 / 27,0 Prozentpunkte; für Stufe 1 reicht das Intervall von 11,9 bis 44,3). Ob das auf realen Touren denselben Informationsgewinn erzeugt, lässt sich erst mit zeitlich passenden GPS-Trackdaten beantworten.

Nachtrag: die vorab festgelegte Kernauswertung

Die Zahlen oben beschreiben die Gesamtstichprobe. Der Analysevertrag vom 30. Juli legt zusätzlich etwas Schärferes fest, das er zur primären Zielgröße der eigentlichen Prüfung im Winter 2026/27 erklärt: eine vorab definierte Kernstichprobe, geprüft gegen Vergleichspunkte, die Datum und Warnregion des jeweiligen Ereignisses teilen. Beide Ergänzungen liegen seit dem 1. August 2026 vor.

Zur Kernstichprobe zählt ein Ereignis nur, wenn drei Angaben zugleich vorliegen und zutreffen: mindestens eine beteiligte Person, trockene Schneebrettlawine, als gültig markierte Ereigniszeit. Fehlt eine Angabe, zählt das Ereignis nicht dazu — auch das ausdrückliche „unbekannt" gilt als fehlend, nicht als Nein. Von den 656 auswertbaren Ereignissen erfüllen 337 alle drei Kriterien. 215 der 319 ausgeschlossenen scheitern allein an fehlenden Angaben (fehlend je Feld, gezählt über alle 319 Ausgeschlossenen: Feuchte 170, Lawinenart 116, Beteiligung 79; ausdrücklich verneint: gültige Zeit 50, Feuchte 35, Lawinenart 27, Beteiligung 23 — Mehrfachnennungen möglich).

Kernstichprobe gegen gematchte Vergleichspunkte (fünf je Ereignis, gleiches Datum, gleiche Warnregion, Höhenband 1.500–3.200 m). Punkt- und Umkreisquote sind getrennte Zielgrößen und werden nicht zu einer Zahl vermischt. Für die Quote der Vergleichspunkte ist kein eigenes Intervall gerechnet — sie ist keine Zahl, die für sich steht. Gerechnet ist das Intervall dort, wo die Aussage liegt: auf dem Abstand.
am Punkt95-%-IntervallUmkreis 200 m95-%-Intervall
Kernstichprobe (n = 337)81,0 %76,8–85,097,6 %95,9–99,1
gematchte Vergleichspunkte (n = 1.685)48,8 %91,3 %
Abstand+32,2 pp27,3–37,0 pp+6,3 pp4,5–8,3 pp

Der Abstand beträgt am Punkt 32,2 Prozentpunkte, im Umkreis 6,3. Der große Punkt-Abstand ist zum Teil Zusammensetzung: Die Kern-Ereignisorte sind überwiegend steil, die Vergleichspunkte decken das ganze Höhenband ab — auch Gelände unter 28°, an dem die Regel nie anschlägt. Beschränkt man beide Seiten auf mindestens 28°, bleiben 93,5 % gegen 83,1 % am Punkt (n = 292 gegen 990), also 10,4 Prozentpunkte Abstand (95-%-Intervall 6,5–14,2). Und auch gematchte Vergleichspunkte bleiben künstliche Flächenpunkte: Wo Tourengeher tatsächlich unterwegs sind, zeigen erst GPS-Trackdaten.1

Die Intervalle stammen aus einem Cluster-Bootstrap (Ereignistag × Warnregion, 10.000 Wiederholungen, Startwert im Manifest); nahe 100 % sind sie bewusst asymmetrisch und dürfen nicht als „± x Punkte" gelesen werden. Für die Gesamtstichprobe oben lauten sie 71,1–77,9 (Punkt) und 95,1–97,9 (Umkreis). Zwei vorab festgelegte Stabilitätsprüfungen bestehen: Lässt man eine ganze Saison oder einen ganzen Ereignistag weg, verschiebt sich die Umkreisquote der Kernstichprobe um höchstens 0,4 beziehungsweise 0,6 Prozentpunkte — unter der vorab gesetzten 2-Punkte-Schwelle. Ein enges Intervall belegt dabei Stabilität gegenüber der Stichprobenziehung, nicht Übertragbarkeit auf eine künftige Saison — die echte Prüfung bleibt der Winter 2026/27 mit eingefrorenen Parametern.

Seit dem 4. August hat auch jeder Abstand ein Intervall — vorher stand hier, dass keines gerechnet sei. Das war die schwächere Position: Veröffentlicht wird der Abstand, und eine Zahl ohne Fehlerbalken lässt sich nicht einordnen. Gezogen wird dafür derselbe Cluster aus Ereignistag und Warnregion, aber ein gezogener Cluster bringt seine Vergleichspunkte mit — beide Seiten stammen in jeder Wiederholung aus denselben Tagen, sonst wäre der Abstand künstlich unsicher gerechnet. Gerechnet wird mit 40.000 Wiederholungen; die Quoten-Intervalle oben laufen unverändert mit 10.000. Drei Dinge gehören ausdrücklich dazu:

Wo die Methode scheitert

In 23 der 656 Fälle passte das Gelände am Ereignisort zu keiner Gefahrenstelle. Diese Fälle sind aufschlussreicher als die Quote:

Dass bei geringer Gefahr oft gar keine Gefahrenstelle genannt wird, ist kein Tiroler Sonderfall — auch der Schweizer Lagebericht macht bei Stufe 1 keine Angaben zu kritischen Höhen und Expositionen. Winkler et al. haben für solche Tage aus Unfall- und Tourendaten dennoch eine risikobasierte Kernzone hergeleitet, in der das Risiko rund sechsmal höher liegt als außerhalb.3 Für diese Auswertung wurde daraus nichts übernommen: Geprüft wird ausschließlich, was im Bericht steht. Eine Gefahrenstelle hinzuzurechnen, die dort nicht genannt ist, wäre eine eigene Beurteilung — und genau die soll hier nicht stattfinden.

Von den 39 tödlichen Ereignissen im Datensatz waren 36 auswertbar; in 34 lag direkt am Koordinatenpunkt eine Übereinstimmung vor, in 35 im 200-Meter-Umkreis. Ein Ereignis traf also erst im Umkreis auf eine passende Zelle, eines auf gar keine. Der Fall ganz ohne Übereinstimmung ist genau ein Fall der ersten Kategorie: Gefahrenstufe 1, ein Lagebericht ohne genannte Gefahrenstellen. Wegen der kleinen Teilgruppe ist 35 von 36 aussagekräftiger als die scheinbar präzise Prozentangabe 97,2 %.

Was diese Zahlen nicht sind

Keine Unfallwahrscheinlichkeit. Die Auswertung sagt nichts darüber, wie wahrscheinlich es ist, dass an einem passenden Hang etwas passiert. Sie misst nur, ob Gelände und Bericht zusammenpassten. Wer eine Risikozahl sucht, findet sie in probabilistischen Verfahren wie SLABS2 — hier wird bewusst keine gerechnet.

Kein Beleg für verhinderte Unfälle. Aus einer retrospektiven Abdeckungsprüfung folgt nicht, dass ein Hinweis die Ereignisse verhindert hätte.

Keine Aussage über einzelne Hänge. Dass ein Hang zu keiner Gefahrenstelle passt, macht ihn nicht sicher. Umgekehrt ist ein passender Hang kein Verbot.

Kein Gütemaß des Lageberichts. Ein Lagebericht hat die Aufgabe, die Lage zu beschreiben, nicht die, Unfallorte punktgenau vorherzusagen.

Offengelegt: eine Kalibrierung an denselben Daten

Viele Lageberichte beschreiben Höhenbänder nicht in Metern, sondern relativ zur Waldgrenze („oberhalb der Waldgrenze"). Für eine automatisierte Prüfung muss dieser Begriff in eine Zahl übersetzt werden. Ursprünglich lag der Wert bei 1.900 Metern; in der Fehleranalyse fiel auf, dass sich auffällig viele Ereignisse ohne Übereinstimmung zwischen 1.500 und 1.700 Metern häuften.

Nach einem systematischen Durchlauf über alle Werte wurde er auf 1.700 Meter gesetzt — die reale Waldgrenze der betroffenen Grasberge liegt in diesem Bereich. Damit stieg die Quote an den Ereignisorten von 95,6 % auf 96,5 %. Bezahlt wurde das mit einer höheren Quote in der Kontrollgruppe (Tirol-weite Ziehung): 88,5 % statt vorher 85,0 %. Der Abstand zwischen beiden Zahlen wurde dadurch kleiner — von 10,6 auf 8,0 Prozentpunkte. Die Vorher-Werte stammen aus dem Waldgrenzen-Sweep, der kein eigenes Manifest schreibt — sie gehören nicht zum unten genannten Referenzlauf.

Dieser Wert wurde an demselben Datensatz bestimmt, an dem anschließend gemessen wurde. Das ist methodisch eine Schwäche. Fünf der sechs dadurch zusätzlich erfassten Ereignisse stammen zudem von nur zwei Tagen im Februar 2026. Die unkalibrierte Erstmessung von 95,6 % bleibt deshalb als Referenz stehen; 1.700 Meter wird im Winter 2026/27 eingefroren und muss an neuen Daten geprüft werden.

Ein niedrigerer Wert von 1.600 Metern erfasst dieselben Ereignisse (ebenfalls 23 Fälle ohne Übereinstimmung), hebt aber die Quote der Vergleichspunkte weiter an — er würde also nur mehr Fläche als Gefahrenstelle ausweisen, ohne ein Ereignis mehr zu erklären. Deshalb 1.700 und nicht tiefer.

Der Wert ist an Tiroler Daten gewählt. Die App verwendet ihn auch außerhalb Tirols — dort ist er nicht überprüft; die reale Waldgrenze etwa im Allgäu liegt deutlich tiefer als in den Zentralalpen.

Nachtrag: dieselbe Zahl, zwei Richtungen

Bei der Selbstprüfung Ende Juli 2026 fiel auf, dass diese Kalibrierung nur die eine Hälfte des Problems löst. „Waldgrenze" steht im Lagebericht in zwei Rollen, und ein niedriger Wert wirkt in beiden gegensätzlich:

Das ist eine stille Untererfassung — genau die Fehlerrichtung, die diese App nicht haben darf. Seit dem 31. Juli 2026 wird „Waldgrenze" deshalb richtungsabhängig übersetzt: als Untergrenze weiter mit 1.700 Metern, als Obergrenze mit 2.200 Metern. Der zweite Wert ist bewusst gesetzt und nicht an diesen Daten optimiert — sonst wäre der Holdout für den Winter 2026/27 entwertet. Betroffen sind 40 von 1.904 Lawinenproblemen im gecachten Berichtsbestand (283 Archivtage; 2,1 %) — nachgezählt über das im Manifest per Hash gebundene Berichtsarchiv, gezählt nach dem Adapter, der das ältere Dateiformat der Saison 2021/22 vereinheitlicht; 16 der 40 Fälle stammen aus diesem Altbestand. Eine frühere Fassung dieser Seite nannte 24 (1,3 %), weil ohne Adapter gezählt wurde; die Manifeste der damaligen Läufe trugen diese alte Zählung noch als Prosa-Notiz. Mit dem Lauf vom 4. August 2026 ist die Zählung nachgezogen — das aktuelle Manifest führt sie unter kTreelineUpperMNote, und an den Quoten dieser Seite hat sie nichts geändert.

Warum Variantenabfahrten nicht herausgefiltert werden

Ein berechtigter Einwand gegen jede Zahl dieser Seite lautet: Im Datensatz stecken auch liftgestützte Variantenabfahrten, die keine Skitouren sind. Ereignisse deshalb nach Aktenlage von Hand auszusortieren, wäre allerdings die schlechtere Auswertung — subjektives Aussortieren erzeugt mehr Verzerrung, als es entfernt. Stattdessen wurde am 1. August 2026 mit vorab festgelegten Kriterien geprüft, ob eine reproduzierbare, verblindete Regel möglich ist: die Distanz der Ereigniskoordinate zur Liftinfrastruktur, klassifiziert ohne Kenntnis des Prüfergebnisses.

Das Ergebnis ist ein Nein — und es steht hier als Befund, nicht als Panne. Erstens fehlt die ergebnisfreie Referenz: Nur 9 LAWIS-Kommentare nennen ausdrücklich eine Variante oder Freerider, vorab gefordert waren 30 je Klasse. Zweitens, unabhängig von der Stichprobengröße: Keine Distanz trennt sauber. Bei 200 Metern sind erst 7 der 9 Variantenmeldungen erfasst; bei 1.000 Metern alle — dort gelten aber bereits 22 der 98 in der Aufstiegsphase gemeldeten Unfälle als „liftnah", und wer aufsteigt, fährt keine Variante ab. Die beiden Fehlerarten tauschen sich gegeneinander ein. Es wird deshalb kein Ereignis entfernt und kein Schwellwert geändert — und die Zahlen dieser Seite heißen weiterhin „dokumentierte Lawinenereignisse", nicht „Skitouren-Unfälle".

Die Liftdistanz zeigt trotzdem etwas, und zwar gegen die Richtung des Einwands: Liftnahe Ereignisse passen im Mittel besser zum Lagebericht als liftferne — innerhalb von 1.000 Metern stimmen 77,6 % direkt an der Koordinate überein, außerhalb 71,8 %. Ein Entfernen mutmaßlicher Variantenabfahrten würde die Quoten dieser Seite also senken, nicht heben; nach oben verzerrt sind sie durch diese Frage nicht. Zwei Vorbehalte gehören zwingend dazu: „Liftnah" ist nicht „Variantenabfahrt" — Skitouren starten regelmäßig an Liftstationen, und Bahnen queren unerschlossenes Gelände. Und der Abstand ist nicht stabil: In der Saison 2023/24 kehrt er sich um. Er ist ein Befund über diesen Datensatz, keine Gesetzmäßigkeit.

Grundlage sind 2.072 Lift-Wege aus OpenStreetMap (© OpenStreetMap-Mitwirkende, Lizenz ODbL), abgerufen am 1. August 2026 über die Overpass API; Materialseilbahnen und Lawinensprengbahnen zählen nicht als Lift — sie stehen gerade im unerschlossenen Gelände. Prüfkriterien, Bandtabellen und die vollständige Auswertung stehen im Ergebnisdokument zum Lauf 20260811T105326Z-c774755 und werden auf Anfrage herausgegeben.

Grenzen der Datenbasis

Zwei Nebenbefunde

Das Geländemodell und die von Meldenden angegebenen Werte stimmen gut überein. Beide Abweichungen sind hier als typischer Betrag angegeben, also ohne Vorzeichen: bei der Höhe 8 Meter, bei der Neigung 4 Grad. Die Richtung ist zusätzlich aufschlussreich — im Mittel wird 2 Grad steiler gemeldet als das Modell rechnet, was dazu passt, dass ein 10-Meter-Raster kurze Steilstufen glättet.

Über die fünf Winter hinweg liegt die Quote im 200-Meter-Umkreis zwischen 92 und 98 %: 96,7 % (2021/22, n = 60), 97,9 % (2022/23, n = 94), 98,2 % (2023/24, n = 114), 92,1 % (2024/25, n = 126) und 97,3 % (2025/26, n = 262). Ob 2024/25 damit tatsächlich aus der Reihe fällt, ist mit diesen Fallzahlen nicht entschieden — ein formaler Saisonvergleich mit Konfidenzintervallen steht aus und wird nachgetragen. Bis dahin ist die Spannweite eine Beobachtung, kein Befund.

Alle Zahlen im Überblick
Übereinstimmung nach Gefahrenstufe: Anteil der Orte, an denen Exposition, Höhe und Neigung gemeinsam zu einer Gefahrenstelle passten — je Gruppe im 200-m-Umkreis und direkt am Punkt. Vergleichspunkte: nach Datum und Warnregion gematchte Ziehung (die Tirol-weite Sekundärkontrolle liegt gesamt bei 88,5 % im Umkreis und 51,0 % am Punkt).
GefahrenstufeEreignisorte
Umkreis / Punkt
nVergleichspunkte
Umkreis / Punkt
n
1 — gering50,0 % / 50,0 %2844,3 % / 21,4 %140
2 — mäßig98,3 % / 74,2 %23384,1 % / 46,0 %1.165
3 — erheblich98,3 % / 77,4 %29295,5 % / 50,4 %1.460
4 — groß100 % / 73,8 %10399,4 % / 58,1 %515
gesamt96,5 % / 74,5 %65689,9 % / 48,8 %3.280
Weitere Kennzahlen
Geprüfte Ereignisse gesamt711
davon auswertbar656
ohne veröffentlichten Lagebericht52
außerhalb der Warnregionsgrenzen3
Übereinstimmung exakt an der Koordinate74,5 %
Übereinstimmung im 200-Meter-Umkreis96,5 %
tödliche Ereignisse (auswertbar), am Punkt / im Umkreis34 / 35 von 36
Ereignisorte unter 28° (am Punkt nie möglich)128 (19,5 %)
gematchte Vergleichspunkte (primär), am Punkt / im Umkreis48,8 % / 89,9 % (n = 3.280)
Tirol-weite Vergleichspunkte (sekundär), am Punkt / im Umkreis51,0 % / 88,5 % (n = 3.280)
Tirol-weite Vergleichspunkte im Steilgelände ab 28°89,4 % im Umkreis (n = 2.091)
Kernstichprobe (vorab definiert, auswertbar)337
Kernstichprobe am Punkt / im Umkreis81,0 % / 97,6 %
gematchte Vergleichspunkte der Kernstichprobe48,8 % / 91,3 % (n = 1.685)
ZeitraumDez. 2021 – Apr. 2026
Stand der AuswertungLauf 11. August 2026 (runId 20260811T105326Z-c774755; reproduziert den Lauf vom 4. August Stelle für Stelle) · Korrektur-Nachtrag 31. Juli · Variantenaudit und Kernauswertung 1. August · Beschriftungs- und Kontrollwahl-Korrektur 4. August · Intervalle für die Abstände 4. August 2026

Korrektur-Nachtrag vom 31. Juli 2026

Bei einer systematischen Selbstprüfung am 30. Juli 2026 sind zwei Rechenfehler im Auswertungswerkzeug gefunden worden. Beide sind behoben; die korrigierten Quoten stammten aus dem Lauf vom 1. August 2026 (runId 20260801T191516Z-f28aeaf) und werden vom aktuellen Lauf vom 11. August (runId 20260811T105326Z-c774755) Stelle für Stelle reproduziert. Dabei ist der Code zwischen beiden Läufen nicht derselbe geblieben: Der Parser für die Lageberichte wurde konservativer gemacht (Vereinigung der Vormittags- und Nachmittagshälften, Prüfung des Gültigkeitsbeginns) — also genau die Logik, die bestimmt, welche Gefahrenstelle für einen Ereignistag gilt. Die Prüfregel selbst und die Eingangsdaten sind unverändert. Wie viele Berichtstage die Parseränderung überhaupt berührt, ist nicht ausgezählt — die Reproduktion belegt deshalb nur, dass sie an den Quoten nichts geändert hat. Weil die vorherigen Zahlen veröffentlicht waren, stehen die Fehler hier statt in einem stillen Austausch.

1. Ereignistag in falscher Zeitzone. Bei 59 von 711 Ereignissen trägt die Quelle einen Mitternachts-Zeitstempel — die Schreibweise für „Uhrzeit unbekannt". Die Auswertung rechnete diese Zeitstempel nach UTC um und landete damit auf dem Vortag: Diese Ereignisse wurden gegen den Lagebericht des Vortags geprüft. In allen Fällen, in denen sich beide Tage vergleichen ließen, änderte der Versatz das Ergebnis nicht — der Fehler war also folgenlos für die einzelne Bewertung, aber er hätte nicht bestehen dürfen.

2. Eine Saison ohne Expositions- und Höhenprüfung. Die 27 in die Auswertung eingegangenen archivierten Berichtstage der Saison 2021/22 verwenden ein älteres Dateiformat, in dem Exposition und Höhenband an einer anderen Stelle stehen. Der Parser fand sie dort nicht und griff seine konservativen Rückfallwerte: alle Expositionen, kein Höhenband. Für diese Saison lief die Prüfung damit faktisch nur über die Hangneigung, 129 echte Expositions- und 180 echte Höhen-Einschränkungen blieben unberücksichtigt. Die Quote dieser Saison war dadurch zu hoch. Das Format ist ein reines Archiv-Artefakt — die App bekommt es nie zu sehen.

Was sich geändert hat. Auswertbar 657 → 656 Ereignisse; Übereinstimmung am Punkt 75,5 → 74,5 %, im 200-Meter-Umkreis 96,7 → 96,5 %; Vergleichspunkte (Tirol-weite Ziehung) 89,2 → 88,5 %. Die Vorher-Werte stammen aus dem Lauf vor der Korrektur, dessen Manifest nicht mehr archiviert ist. Am stärksten betroffen ist die Saison 2021/22 (am Punkt 90,2 → 80,0 %). Bei den tödlichen Ereignissen bleibt es bei 35 von 36 im Umkreis (34 am Punkt). Keiner der beiden Fehler hat die Auswertung geschönt — der Abstand zwischen Ereignisorten und Vergleichspunkten ist nach der Korrektur sogar etwas größer als vorher: 8,0 statt 7,5 Prozentpunkte.

Ein Befund, der gegen die Auswertung spricht, gehört ebenfalls hierher: Zufällige Vergleichspunkte im Steilgelände ab 28° passen am Punkt häufiger zu einer Gefahrenstelle (80,0 %) als die realen Ereignisorte (74,5 %). Der Grund ist die Verortung, nicht die Prüfregel: Ein Fünftel der gemeldeten Koordinaten liegt unter 28° und kann am Punkt nie übereinstimmen. Vergleicht man nur Ereignisorte ab 28° mit den Vergleichspunkten ab 28°, kehrt sich das Bild um (92,6 gegenüber 80,0 %). Beide Lesarten stehen hier, weil die erste die unangenehmere ist.

Korrektur-Nachtrag vom 4. August 2026

Eine fachliche Gegenprüfung dieser Seite hat am 4. August 2026 drei Befunde ergeben. Kein Ergebnis des Referenzlaufs war falsch. Die ersten beiden betrafen die Beschriftung und die Auswahl von Zahlen; der dritte ist von anderer Art — eine Aussage, die die Daten so nicht hergaben. Weil die Seite veröffentlicht war, stehen die Befunde hier statt in einem stillen Austausch.

1. Umkreisquoten unter einer Punkt-Beschriftung. Das Gefahrenstufen-Diagramm und die Übersichtstabelle zeigten die Quoten im 200-m-Umkreis (98,3 / 98,3 / 100 % für die Stufen 2–4), waren aber als „Anteil der Punkte" beschriftet — direkt am Punkt lauten die Quoten 74,2 / 77,4 / 73,8 %. Auch der Satz, der Abstand verschwinde bei Stufe 4 praktisch vollständig, galt nur im Umkreis. Beide Darstellungen nennen jetzt beide Zielgrößen getrennt. Die Verwechslung ging nicht zugunsten der Seite: Am Punkt ist der Abstand zu den Vergleichspunkten auf jeder Stufe größer als im Umkreis.

2. Die sekundäre Kontrollzahl stand an erster Stelle. Als Kernzahl der Kontrollgruppe nannte die Seite 88,5 % — die Tirol-weite Ziehung, die der Analysevertrag ausdrücklich nur als Sensitivitätsanalyse führt. Die vertraglich primäre, nach Datum und Warnregion gematchte Kontrolle lag im selben Lauf vor und stand nirgends: 89,9 % im Umkreis, 48,8 % am Punkt (n = 3.280). Der Abstand der Gesamtstichprobe beträgt damit 6,6 statt 8,0 Prozentpunkte — die ehrlichere Zahl ist die kleinere; sie steht jetzt oben. Mit der Umstellung wurde auch die Kontrollreihe des Gefahrenstufen-Diagramms auf die gematchte Ziehung getauscht; das verändert dort die Abstände in beide Richtungen, am deutlichsten bei Stufe 1, wo die Vergleichsquote von 33,5 auf 44,3 % steigt und der Abstand von 16,5 auf 5,7 Prozentpunkte schrumpft. Daneben korrigiert: die Zahl der von der Waldgrenzen-Obergrenze betroffenen Lawinenprobleme (40 statt 24, siehe dort), die Zahl der Alt-Schema-Berichtstage (27 statt 28) und ein falsches Laufdatum im Korrektur-Nachtrag vom 31. Juli.

3. Eine Aussage über Gefahrenstufe 1, die die Daten nicht hergaben. Bis zum 4. August stand hier, der Abstand zwischen Ereignis- und Vergleichsquote sei „bei den Gefahrenstufen 1 und 2 am größten". Für Stufe 2 stimmt das. Für Stufe 1 nicht: Der Umkreis-Abstand beträgt dort +5,7 Prozentpunkte, das zugehörige 95-%-Intervall reicht aber von −5,9 bis 16,3 und schließt die Null ein — bei 28 Ereignissen ist der Abstand auf dieser Stufe nicht von null zu unterscheiden. Aufgefallen ist das erst, als für die Abstände überhaupt Intervalle gerechnet wurden; vorher stand dort eine Zahl ohne Fehlerbalken, und die Aussage stützte sich allein auf ihre Größe. Das ist der Grund, warum diese Seite die Intervalle jetzt führt.

Was diese Auswertung methodisch ist

Alle hier berichteten Zahlen sind deskriptiv: Sie beschreiben denselben Datensatz, an dem die Prüfregel entwickelt und die Waldgrenze kalibriert wurde. Eine echte Prüfung an unbekannten Daten ist damit ausdrücklich nicht erfolgt. Sie beginnt mit dem Winter 2026/27, für den die Parameter eingefroren sind. Bis dahin gilt jede Zahl auf dieser Seite als Beschreibung der Vergangenheit, nicht als Vorhersage der Zukunft. Ablationen der einzelnen Toleranzen und eine Spezifitätsschätzung sind in Arbeit und werden nachgetragen; die Konfidenzintervalle aus dem Cluster-Bootstrap stehen seit dem 1. August in der Kernauswertung, die Intervalle für die Abstände seit dem 4. August.

Datenquellen und Nachvollziehbarkeit

Die Ereignisdaten stammen aus LAWIS und werden vom Lawinenwarndienst des Landes Tirol unter CC BY bereitgestellt. Die Lageberichte stammen aus dem öffentlichen Archiv von avalanche.report (Lawinenwarndienst Tirol / Projekt Albina, CC BY 4.0), das Geländemodell vom Land Tirol (CC BY 4.0). Die Liftinfrastruktur für das Variantenaudit stammt aus OpenStreetMap (© OpenStreetMap-Mitwirkende, Lizenz ODbL).

Die Auswertung nutzt denselben Code, der auch in der App den Abgleich am einzelnen Geländepunkt vornimmt — es gibt keine zweite Implementierung der Prüfregel. Zwei Zusätze gehören ausschließlich zur Auswertung und nicht zur App: die Suche im 200-Meter-Umkreis, die die ungenauen Ereigniskoordinaten abfedert, und ein Adapter, der das ältere Dateiformat der Saison 2021/22 in das heutige übersetzt, bevor der unveränderte App-Parser es liest (siehe Korrektur-Nachtrag). Der Adapter verschiebt nur Felder; er trifft keine Prüfentscheidung.

Jeder Lauf schreibt ein Manifest mit Lauf-Kennung, Commit, Hashes aller Eingangsdaten, allen Parametern und den vorab festgelegten Auswertungsgruppen. Die Zahlen des aktuellen Stands gehören zum Lauf 20260811T105326Z-c774755; die Vergleichswerte früherer Stände in der Kalibrier-Offenlegung und im Korrektur-Nachtrag vom 31. Juli stammen aus dem Waldgrenzen-Sweep beziehungsweise dem Lauf vor der Korrektur, deren Manifeste nicht archiviert sind. Das Projektverzeichnis ist derzeit nicht öffentlich; Werkzeug, Manifest und die Ergebnisdaten je Ereignis werden auf Anfrage herausgegeben — die Veröffentlichung des Validierungswerkzeugs ist vorgesehen. Rückfragen zur Methodik und Anfragen zu den Rohdaten gern an avalancheguard.app@gmail.com.

Referenzen

Diese Auswertung ist keine wissenschaftliche Publikation und war keinem Fachreview unterworfen. Aufgeführt sind ausschließlich Arbeiten, die eine Aussage auf dieser Seite tatsächlich tragen — nicht alles, was zum Thema lesenswert ist.

  1. Degraeuwe, B., Schmudlach, G., Winkler, K., Köhler, J. (2024): Improving avalanche risk assessment for backcountry ski tours: A comparative study of the novel SLABS method with existing methods. Proceedings, International Snow Science Workshop, Tromsø, P12.2. PDF Die Kontrollgruppe dieser Arbeit — über 57.800 km aufgezeichneter Skitouren gegen 1.250 Unfälle — ist der Maßstab, an dem die 3.280 Zufallspunkte oben als schwächere Referenz einzuordnen sind.
  2. Degraeuwe, B., Schmudlach, G., Winkler, K., Köhler, J. (2024): SLABS: An improved probabilistic method to assess the avalanche risk on backcountry ski tours. Cold Regions Science and Technology 221, 104169. doi:10.1016/j.coldregions.2024.104169 Die ausführliche Fassung des Verfahrens, das skitourenguru.ch heute verwendet. Es rechnet ein Risiko aus — bewusst etwas anderes als der Abgleich, um den es hier geht.
  3. Winkler, K., Schmudlach, G., Degraeuwe, B., Techel, F. (2021): On the correlation between the forecast avalanche danger and avalanche risk taken by backcountry skiers in Switzerland. Cold Regions Science and Technology 188, 103299. PDF Quelle für die risikobasierte Kernzone bei Gefahrenstufe 1 und für den Befund, dass das Risiko innerhalb der im Bericht genannten Höhen und Expositionen rund sechsmal höher liegt als außerhalb.
  4. Skitourenguru-Wiki: Lawinengelände. wiki.skitourenguru.com/de/articles/a0029.html Warum Neigung und Exposition an einem einzelnen Punkt das Gelände nur unvollständig beschreiben.
  5. Skitourenguru-Wiki: Qualität der Unfalldaten. wiki.skitourenguru.com/de/articles/a0078.html Quelle für die unterschiedliche Erfassungspraxis: in der Schweiz systematisch der Anrisspunkt, in anderen Ländern unbekannt — und für den österreichischen Vergleichswert von 33,5° mittlerer Neigung an gemeldeten Unfallorten. Der Artikel dokumentiert nicht, wie diese Neigung bestimmt wurde; der Vergleich mit den eigenen 34,3° ist deshalb ein Plausibilitätstest, keine Messung.
  6. Voigtländer, A., Rheinwalt, A., Tofelde, S. (2024): Quantifying Earth's Topography: Steeper and Larger Than Projected in Digital Terrain Models. Geophysical Research Letters 51(14), e2024GL109517. doi:10.1029/2024GL109517 Belegt, dass digitale Geländemodelle die Hangneigung systematisch unterschätzen — die Begründung dafür, ab 28° statt ab 30° zu prüfen.
  7. European Avalanche Warning Services: EAWS-Glossar. avalanches.org/glossary Quelle für die ±100-Meter-Toleranz („Altitudes: Area within certain altitude ranges (accuracy ± 100 m)") und für den Geltungsbereich der Gefahrenstufe („always applies to a region with an area of >100 km² and not to a specific individual slope"). Abgerufen am 31. Juli 2026.
  8. Lawinenwarndienste Österreichs, Bayerns und Südtirols (Dezember 2024): Interpretationshilfe zum Lawinenlagebericht. PDF Gilt ausdrücklich auch für Tirol und Bayern. Quelle für die Waldgrenzen-Zahl („Waldgrenze: liegt bei 1600/1800 m Höhe"), für die Schranke („Einzelhänge können dabei nicht beurteilt werden") und für die Leseweise, die dieser Abgleich automatisiert („er gibt Hinweise auf besonders gefährdete Hangbereiche (Höhe, Exposition und Neigung)"). Abgerufen am 31. Juli 2026.

Mehrere der oben genannten Einschränkungen — die schwache Flächenreferenz und die unklare Bedeutung der Ereigniskoordinate — stammen aus fachlicher Kritik von außen, nicht aus eigener Einsicht.

Diese Auswertung ist bei der Entwicklung von HangKontext entstanden — einer App, die im Hintergrund das Gelände am Standort mit den Gefahrenstellen des amtlichen Lageberichts abgleicht und Übereinstimmungen meldet. Sie bewertet nichts und gibt keine Hänge frei; die Beurteilung bleibt beim Menschen. Für Winter 2026/27 werden Testerinnen und Tester gesucht.

Methodenstand: 4. August 2026 · Presse · Impressum & Datenschutz